Feines Reiten
nach klassisch-barocken Grundsätzen im Sinne der Pferdegesundheit

Danila Falka - Abschied

Für meine beiden Töchter Pia und Sophie

Ein Morgen wie jeder andere auch. Pünktlich um 7 Uhr öffnet sich die Tür zum Wohnhaus. Heraus kommt wie immer Sabine und ruft ihr fröhliches Guten Morgen den Pferdegesichtern zu, die sie aus den Boxentüren anwiehren. Ein kurzer Blick in den Himmel genügt, um zu sehen, dass der Tag genauso warm und drückend werden würde wie der gestrige.

 

Bobby, der fuchsrote Schäferhund folgt ihr – schon morgens sowie den ganzen Tag hechelnd – auf den Fersen. Jedoch läuft er nicht mit in die Futterkammer des großen Stalles, nein, er wittert etwas Neues auf dem kleinen Innenhof. Sabine bemerkt dies nicht, sie war bereits im großen Stall verschwunden um den Hafereimer zu holen.

 

Sarka, die Kinskistute mit der langen blonden Mähne, wiehert lauthals. Jaja, murmelt Sabine, natürlich bekommst Du als erste Dein Futter. Dann, schnell im Vorbeigehen, der kleine Bero, immer hungrig, immer arbeitseifrig, immer da. Gleich die nächste: Taube, unsere Prinzessin. Seit einem halben Jahr bekommt sie pünktlichst ihr Futter, Mash, angerührt mit warmem Wasser und allen Mineralien, die das Herz begehrt. Taube, die seit einem halben Jahr ständig kolikt. Taube, die nicht aufnehmen wollte. Taube, die endlich entschlossen hat, doch ein Fohlen auszutragen. Taube, deren Besitzerin, Pia, mindestens einmal in der Woche von Braunschweig kommt, um sie zu putzen und liebzuhaben. Geschwind wirft Sabine die Haferschaufel über die Boxentür – aber was ist das? Was steht da im Weg? Ein kleines braunes Pferd: Falka!

 

Sabine öffnet die Boxentür, aufgeregt, leise. „Taube! Hast Du das ganz allein gemacht? Dein Baby hatte doch noch eine Woche Zeit! Und wir haben nichts gehört in der Nacht! Mädchen, Du bist klasse!“ Die große kräftige Stute mit den klugen dunklen Augen scheint ihr kurz zuzunicken: „Ja, es passierte einfach so. Ich hatte Bauchschmerzen und da lag sie plötzlich im Stroh. Sie ist ganz klein und zart, ich habe sie trockengeleckt und sie ist aufgestanden.“

 

Ein wunderschöner kleiner Kopf mit schwarzen Augen blickt Sabine von ganz unten an. Ein filigranes Wesen, dunkles welliges Fell, der Rücken knochig, jeden Wirbel konnte sie sehen. Gar nicht scheu sucht das feine Mäulchen an Sabines Pullover nach ähnlich wohlriechenden Dingen wie Mamas Milch. Wie selbstverständlich stakst sie durch die riesige Box, durch das Stroh um Mama herum, die seelenruhig ihre Morgenportion frßt.

 

Die Osteopathin sagte damals, Taube könne keine Fohlen bekommen. Sie fühlt negative Schwingungen in Eierstöcken und Gebärmutter,

gab ein Mittel zur homöopathischen Behandlung mit. „Am besten geben Sie es Ihrer Tochter Pia auch, sie steht Taube sehr nahe“. Dummes Zeug, Homöopathie, Schwingungen, Quatsch.

 

Taube und Pia haben viele Kinder mit Voltigieren, Pferdepflege und Reiten glücklich gemacht. Pia lernte auch beruflich mit Kindern umzugehen. Sie verliebte sich, zog in einen anderen Ort, Taube trat in den Hintergrund. Sie tat aber pflichtbewusst ihren Dienst als Schulpferd für Erwachsene, die das Hobby ihrer eigenen Kinder nachvollziehen wollten und sie half Menschen, die Angst vor dem Reiten entwickelt haben wieder Ruhe und Entspannung zu finden. Sie fühlte alles, sie wußte alles. Glücklich war sie nicht, aber zufrieden. Manchmal vermißte sie ihre Pia, aber sie wußte, Pia war glücklich, verliebt, woanders.

 

Sophie, Sabines jüngste Tochter, reisst die Haustür auf und ruft: „Mama, was ist mit Taube? Hat sie etwa…..? Oh Gott, ist die süß!“ Liebevoll streichelt Sophie die Mutterstute, und kniet sich dann behutsam neben Falka, die sich im Stroh ausgestreckt hat. „Aber Taube war doch noch gar nicht so weit! Liegt es an der schwülen Witterung?“ Ihre wissenden Hände fühlen sacht über den mageren kleinen Pferdekörper, der unter ihrer Berührung leicht erzittert. Das Fell glänzt wunderschön in der Morgensonne, die durch die Boxentür scheint. Sie hat das wellige Fohlenfell ihres Papas geerbt, er sah damals aus wie ein Persianer. Falka überlegt es sich anders, schlafen ist langweilig. Trinken ist besser. Behende steht sie wieder auf ihren kleinen Streichholzbeinchen und stakst zu Mamas Vorderbeinen. Ach nein, da war es nicht, das leckere Trinken, da hinten kommt es doch heraus! Sie ist so klein, daß sie bequem unter Mamas Bauch paßt, und ihren kleinen Hals hochrecken muß, um die Zitzen zu erreichen.

Sabine bemerkte in den Unterrichten immer häufiger, daß Taube nur ihre Pflicht erfüllte. Sie wollte sie aber glücklich sehen, ihr war und ist es so wichtig, daß ihre Pferde glücklich und zufrieden sind. Auch Sarka, Taubes Boxennachbarin, ist zumindest etwas glücklich geworden, nachdem sie auf ihrem Hof gelandet war. Aus schrecklichen Zuständen von einer Pferdeliebhaberin importiert, stand sie lange Zeit mit ihren Geschwistern auf einem Bauernhof. Dann wurde sie an ein junges Mädchen verkauft, die nach kurzer Zeit Angst vor ihrem Pferd und dem Reiten bekam. Sarka zog von einem Stall in den anderen, vermißte ihre Geschwister, der Rücken tat ihr weh, sie wollte weg von den groben Menschen, sie fing an sich gegen die Zweibeiner zu wehren. Dann lernte sie Sabine, deren Hof, die anderen Pferde und Taube kennen. Langsam ging es ihr besser, sie fing an, Taube zu mögen. Ihr Rücken schmerzte immer seltener, sie wurde stark und schön.

 

Eine tolle Idee: Sarka und Taube sollten beide ein Fohlen bekommen. Dann ist keines allein, und beide Stuten haben die Aufgabe, die Stuten eigentlich haben: Babys aufziehen. Das war Sabines Philosophie.

 

Falka hat genug getrunken. Sie hopst in die Luft und galoppiert auf ihren zierlichen Beinen durch die Box, bremst vor Sophie und stößt mit ihrem Kopf an die Wand. Autsch! Der Wassereimer ist ja interessant, kann man den Henkel in den Mund nehmen? Nochmal sucht sie Mamas Euter und trinkt wieder eine ordentliche Portion. Wie alt mag sie sein? Vier Stunden, fünf Stunden? Ganz trocken ist das Fell, die Nachgeburt konnten sie ohne Mistbesteck jetzt nicht finden, Taubes Scheide sieht sehr gut aus, keine Verletzungen sind zu sehen. Aufgeregt stellt Sabine fest, daß Falkas Geburtsdatum ja mit dem Geburtstag ihres Vaters – Taubes Besitzers – zusammen gefallen ist. Na, das ist ja eine Freude! Schnell schreibt sie ihm über das Handy die Geburtstagsgrüße mit der frohen Nachricht.

 

Danach macht sie noch eine Mitteilung an die Tierärztin, die sich für den späten Vormittag zur Fohlenkontrolle anmeldet. Nun legt sich Falka endlich in’s Stroh und streckt sich lang aus. Die Nachgeburt wird jetzt auch gefunden, sie liegt wohlverscharrt unter der Einstreu.

 

Der Vater für die beiden Stuten war schnell ausgesucht: Die schöne starke Taube sollte mit dem Lusitanohengst Poeta, aus einer Veiga- und Andrade-Linie, über Frischsamen gepaart werden. Und da Sarka mit ihrem noch nicht so starken Rücken keinen Natursprung mit dem hauseigenen Friesenhengst erleben sollte, paßte diese Auswahl auch für sie. Beide Stuten wurden bei der Hengsthalterin angemeldet, der Tierarzt wurde informiert. Sobald die Rosse eintrat, wurde Poeta in die Hochschule nach Hannover gefahren und am selben Tag holte Sabine das Frischsperma ab. Zuerst wurde Taube besamt, zwei Wochen später der gleiche Ablauf mit Sarka.

 

Taube nahm nicht auf, Sarka wurde sofort tragend. Auch in der zweiten Rosse wollte Taube nicht tragend werden. Sabine fiel die Warnung der Osteopathin wieder ein. Sie nahm Kontakt zu ihr auf und erhielt den Namen des homöopathischen Mittels: Ovarium compositum. Ach was, brauchen wir nicht. Auch die dritte Rosse glückte nicht, Taube wollte nicht tragend werden. Die Enttäuschung war groß. Die Ultraschalluntersuchung bei Sarka zeigte einen gesunden Verlauf.

 

Sarkas Fohlen wurde am Muttertag geboren. Sophie wollte unbedingt bei der Geburt dabeisein und überredete Sarka, das Fohlen tagsüber zu bekommen, wenn sie auf dem Hof war und nicht in ihrer Schule, an der sie eine physiotherapeutische Ausbildung machte. Sarka tat ihr sehr erleichtert den Gefallen. Gemeinsam gebaren die beiden ein großes starkes Stutfohlen, es wurde Sophia genannt.

Sie war so groß und schwer und die Fesseln ihrer Hinterbeine waren stark durchtrittig . Sie erhielt eine Paste mit Vitamin und Selen zur Kräftigung ihrer Gelenke und Muskulatur. Nach kurzer Zeit sah man an der offenen oberen Hälfte der Boxentür bereits die Ohrspitzen, eine Woche später konnte sie mit ihren großen Augen schon darüber lugsen. Sie wollte wachsen und wachsen.

 

Taubes Abfohltermin lag noch in weiter Ferne. Nach der mißglückten künstlichen Besamung kam Sabine auf die Idee, dass Taube vielleicht doch lieber natürliche Liebe haben wolle. Sabines Friesenhengst hat ja schon zwei Fohlen gezeugt, zwar nicht ganz natürlich auf der Koppel sondern an der Hand, aber dann ist Taube vielleicht auch mit „halb-natürlich“ zufrieden. Sophie hielt Taube am Halfter, Sabine Lupo und der brave Friesenhengst schleckte Taube sanft grummelnd den Widerrist und tatsächlich, es funktionierte. Zweimal wurden Taube und Lupo zusammengeführt und Taube wurde sofort tragend. Die Ultraschalluntersuchung zeigte keine Auffälligkeiten, keine Zwillingsgeburt, alles war gut.

 

Aber nach wenigen Wochen bekam Taube eine Kolik, und noch eine. Was waren das für Sorgen! Führen in der Reithalle bei Schnee und Eis, Anrufe beim Tierarzt, wahrscheinlich ein Magengeschwür, alles Mögliche um sie zu schonen und zu pflegen wurde gefunden. Der Muttermund war bei der zweiten Kolik leicht geöffnet. Die dritte ließ nicht auf sich warten. Sie wollte kein Fohlen? Hatte sie das nicht auch schon vorher deutlich bewiesen? Hatten die Menschen wieder alles besser gewußt? Der Muttermund öffnete sich zum Glück nicht weiter. Aber es war jetzt eine Risikoträchtigkeit.

 

Sabine nahm nun die Pflege der Pferde komplett selbst in die Hand. Nichts wurde mehr dem Helfer oder dem Zufall überlassen. Alles war organisiert, sauber, kein Streß für die Stuten, Ruhe und Glück..?

Und tatsächlich, Taube beruhigte sich. Keine Koliken mehr, es ging ihr richtig gut. Sie erhielt weiterhin leichte gymnastizierende Übungen, ihre Muskeln waren gut proportioniert, sie sah schön aus. Irgendwann waren die Sorgen um Taube nicht mehr so groß, sie lief wieder „mit“. Sarkas Abfohltermin näherte sich. Taube hatte noch lange Zeit….

 

Und dann ist sie plötzlich da, die kleine Falka. Gegen 12 Uhr kommt die Tierärztin zur Kontrolle. Sie stellt die üblichen Fragen über Nachgeburt und Nabelschnur. Das Darmpech will nicht auf natürlichem Wege kommen, Falka quält sich damit ab. Also wird ein Klistier gemacht, sie erhält ihre Tetanus-Spritze und gegen ihre durchtrittigen Fesselgelenke auch die Vitaminpaste, die schon Sophia erhielt. Die mag sie nun gar nicht, sie schluckt nicht richtig und ein wenig rinnt ihr aus der Nase wieder heraus. Ihre Zunge bleibt zwischen den Lippen stecken als ob sie darüber nachdachte, was das denn wohl sei.

 

13 Uhr, 14 Uhr – Falka mag nicht mehr trinken. Taube wird unruhig, wiehert leise und dreht sich immer so zu Falka, daß diese an ihr Euter gehen solle. Falka mag aber nicht. Ihre Zunge hält sie immer noch zwischen den Lippen, sie liegt auf dem Boden und stellt ihren Kopf senkrecht. Sie will schlafen und sich lang ausstrecken, aber es geht nicht. Ihr Köpfchen wird wieder senkrecht auf ihrem Mäulchen abgestellt. Sophie versucht sie vorsichtig dazu zu bringen, ihr Mäulchen zu entspannen, ihre Zunge freizulassen. Sie melkt Taube ein wenig Milch ab und bietet sie Falka über die Flasche an. Das mag sie auch nicht. Dann tunkt sie ihren Zeigefinger in die Milch und bietet ihr diesen an, ja das findet Falka gut. Langsam steht sie auf und trinkt wieder selbständig am Euter. Alle sind froh. Diese blöde Paste, hat sich bestimmt verschluckt oder einen Reflex ausgelöst, der bei einem zu früh geborenen Fohlen zu diesen Schwierigkeiten führt.

 

16 Uhr – Aus Falkas Nüstern rinnt Milch. Jedes Mal, wenn sie getrunken hat, rinnt die Milch heraus. Es wird immer mehr. Sie trinkt, legt sich hin, stellt ihr Köpfchen senkrecht, die Milch rinnt aus den Nüstern. Sie steht auf, trinkt, legt sich hin…. Sie fängt an leise zu schnorcheln beim Atmen.

 

Ein Anruf bei dem Tierarzt bringt kein Ergebnis: Vielleicht hat sie eine Spalte im Gaumen, vielleicht steckt die Paste noch im Maul fest, nachsehen, abwarten, morgen telefonieren.

 

17 Uhr, 18 Uhr – Falka wird immer weniger, sie kann nicht mehr stehen, schwankt, die Milch fließt jetzt aus den Nüstern, sie hustet, sie keucht. Sie liegt. Pia trifft ein, sie mußte so lange arbeiten, Taube freut sich. Der Tierarzt kommt noch einmal. Diagnostiziert Anpassungsschwierigkeiten. Sie muß jetzt in die Klinik. Endoskopie. Drei bis vier Tage in Brustlage liegen, gedreht werden, Stute abmelken. Das geht nur in Hannover. Königslutter alle im Urlaub. Keine andere Klinik kann das. Hannover – 1 ½ Stunden Fahrt. Mit dem kleinen Fohlen, das immer schwächer wird. Sabine, Pia, Sophie – alles dreht sich nur noch um Falka und Taube. Was soll das? Wie kann denn so etwas passieren?

 

Der Tierarzt möchte Falka noch eine Infusion geben, damit sie den Transport gut übersteht. Sie will aber keine Infusion. Pia und Sophie kämpfen mit Falka um Falka. Schnelles Aufladen, Unruhe auf dem Hof, alle wiehern, Taube wiehert. Sophie trägt Falka in den Hänger. Sie ist so leicht.

 

Die ewig lange Fahrt. Taube steht ruhig, einmal wiehert sie. Es kommt wieder Hoffnung auf, die schaffen das da schon. Ist ja eine bekannte Klinik mit erfahrenen Ärzten. Klar, die beiden bleiben drei Tage und dann holen wir sie wieder ab.

 

Bei der Ankunft steht die kleine Falka fest auf ihren Beinen. Sie sieht gesund aus. Seht Ihr, haben wir doch gleich gesagt. Drei Tage und sie kommt wieder nach Hause. Taube möchte nicht rückwärts vom Hänger gehen, sie muß gedreht werden. Was denken die ganzen Studentinnen bloß über dieses ungezogenes Pferd!

 

Die letzte Box am Ende des Ganges ist erleuchtet, sauber eingestreut, Heu. Kurze Erklärungen an die leitende Tierärztin. Sie ist bereits vom Tierarzt informiert worden, es war ja eine Risikoträchtigkeit. Die Schwellung da am Hals ist von der Tetanusspritze? Das ist nicht so schlimm. Ich werde sie jetzt untersuchen, wir legen sie auf eine dicke Matte, dort legen wir Kanülen zur Versorgung, danach wird eine Endoskopie gemacht. Es dauert ewig, Taube wiehert, sie will zu Sarka zurück. Sie mag die Leute hier nicht. Ihr Fohlen interessiert sie jetzt weniger.

 

Blut wird abgenommen und in’s Labor gebracht. Die Infusionskanülen liegen endlich. Das Riesengerät mit Bildschirm und Endoskop fährt heran. Die Studentin kommt mit den Blutwerten und macht ein komisches Gesicht. Keiner will die Werte jetzt sehen. Der Bildschirm ist kaputt, nur die Ärztin kann sehen, was in Falkas Luft- und Speiseröhre los ist. Nach einer Ewigkeit dürfen alle hineinsehen. Alles voll Milch, ein Loch ist zu sehen. Sie erklärt gleich, was das ist, sagt sie. Gleich.

 

Dann geht sie mit Sophie und Sabine in den Nebenraum. Pia bleibt bei Taube. Im Nebenraum hängen Bilder an der Wand. Bilder von Gaumenspalten. Was ist eine Gaumenspalte? Dort treffen sich Luft- und Speiseröhre, die Wand  zwischen beiden ist normalerweise zu. Die Laune der Natur hat aber bei Falka eine Spalte gelassen. Durch diese Spalte läuft die Milch nicht in den Magen, sondern in die Lunge. Alle kleinen und großen Gefässe sind voll Milch. Dort, wo sie ihre Nährstoffe braucht – im Magen – kommt nicht genug an. Dort, wo sie sie gar nicht braucht – in der Lunge – ist viel zu viel davon.

 

Die Tierärztin spricht, wabernd kommen die Wort im Gehirn an. Operation, Unterkiefer aufschneiden, keine Therapie möglich. Einschläfern. Rücksprache halten. Entscheiden. Gleich.

 

Falka ist keine 24 Stunden auf der Welt gewesen. Sie war ein so fröhliches aufgewecktes Pferdchen. Sabines Schuld?

 

Taube nimmt Abschied von ihrer kleinen Tochter, sie stupst sie an, leckt sie und merkt, dass kein Leben mehr in ihr ist. Alle weinen. Taube möchte wieder nach Hause zu Sarka. Sie geht ohne Probleme auf den Hänger, wiehert noch zweimal. Ein Schmerzmittel für das pralle Euter ist im Auto. Auf der Rückfahrt kommt ein starkes Gewitter auf, Blitze, heftiger Regen. Abschied.

Lengde, im Juli 2009